FFK10 Review

Nach zwei spannenden Tagen bin ich wieder im Büro und weiß spontan gar nicht, wo ich anfangen soll. Es war die 10. FFK und sie war ihres Jubiläums würdig. Sascha und Marc haben sich schwer ins Zeug gelegt. Ich hab sie am Mittwoch Morgen um 7:30 Uhr vor dem Komed Gebäude angetroffen, und sie sahen nicht so aus, als ob sie viel geschlafen hätten. Ich gehe jetzt einfach chronologisch durch die Ereignisse.

Tag 1, Mittwoch, 14.04.

Die Keynote begann mit einer netten, kleinen Animation über den Werdegang von Sascha, Marc und dem Flashforum. Erfrischend, weil nicht megabombastisch sondern individuell und ein netter Kontrapunkt zu den Eröffnungen anderer Konferenzen. Serge Jespers anschließenden Vortrag habe ich gestern schon erwähnt, trotzdem nochmal: Die CS5 rockt! Ich kann gar nicht sagen wie begeistert ich von der Entwicklung bin, die Photoshop, Flash, inDesign und Illustrator gemacht haben. Wir kommen langsam da an, wo Arbeit in Spaß umschlägt. Wer sich darüber informieren möchte, kann das hier machen. Auch die Firma mit dem Icon der bösen Stiefmutter aus Schneewittchen hat ihr Fett weg bekommen. In der Community spürt man einige Frustration über die nächste Eskalationsstufe von Apples Egotrip. Da war es nur angebracht, dass Serge als Präsentationsobjekt kein iPhone sondern ein Nexus One benutzt, und auch an Seitenhieben nicht gespart hat.

Jesse Freeman hat über seinen AR Workflow gesprochen und wie er mit dieser noch recht jungen Technologie umgeht. Ich fand es faszinierend, vor allem seine Lösung wider dem ständigen Ausdrucken  von Markern hat mir doch sehr zugesagt. Den Marker zu simulieren ist schon wirklich ein sehr nettes Feature. Ich habe Jesse noch nie sprechen gehört, und war deswegen angenehm überrascht, dass er sein Alter-Ego (flashbum) in New York gelassen hat. Wer einmal die Gelegenheit hat, einen seiner Vorträge zu sehen, sollte sie unbedingt wahrnehmen.

Saban Ünlü hat anschließend über iPhone Entwicklung mit Flash CS5 gesprochen. Say what? Ja, es ist noch möglich, auch wenn Saban seinen Frust über die letzten Ereignisse kaum verbergen konnte (er hat es auch gar nicht erst versucht). Quintessenz seines Vortrags: Es ist ein unglaublich komplizierter Vorgang eine App in den Appstore zu bekommen. Wo sonst Wert auf Einfachheit und intuitive Bedienbarkeit gelegt wird, setzt Apple auf ein olympiawürdiges Hürdenlauf-Prozedere um Entwicklern das Leben schwerer zu machen. Nach seinem Vortrag war das Thema für mich gestorben, es sei denn ich finde jemanden, der mir den ganzen Wahnsinn auch bezahlt. (Ich sag nur Enterprise Lizenzen gelten nur für 1000 Telefone, danach sind neue fällig. Hallo?) Saban hat aber auch nicht mit Kritik an Adobe gespart. Der Entwicklungsprozess des Flash Players, der durch das Open Screen Project eine Kompatibilität zu allen(!) möglichen Devices erhalten soll, ist seiner Meinung nach nicht konsequent genug. Ich frage mich allerdings ob es überhaupt möglich ist, dieses Ziel zu erreichen.

Sven Brenchers Vortag über intelligente Videos habe ich leider nur zur Hälfte mitbekommen. Ich bin eingenickt und erst am Ende wieder aufgewacht. Respektlos, ich weiß, aber um 14:30 war ich ja auch schon 10 1/2 Stunden ohne Pause auf den Beinen. Das einzige, was mir in Erinnerung geblieben ist, war die Vorstellung eines neue Online- Services zur Erstellung von Drehbüchern: Adobe Story. (ich finde grade keinen Link). Der Service bietet anscheinend Premiere und OnLocation eine Art “Krücke” für die Anbindung an Drehbücher. Naja, Videoproduktion ist nicht meins, und ich hab so oder so gepennt. Sorry.

Greg Rewis und Serge Jespers gingen im Anschluss die neuen CS5 Features noch einmal durch und nannten das “The Creative Suite Power Hour”. Was man noch nicht gesehen hatte, wurde hier vorgestellt: InDesign beherrscht jetzt Animationen und  *.fla Export. Das hat mich besonders beeindruckt, weil sich hier wirklich neue Felder für Präsentationen eröffnen. Sinnvoll auch, weil der Acrobat 9 auch schon SWF Einbindungen unterstützt. Illustrator hat ein schönes Zeichentool namens “Beautifull Stroke” bekommen, was mir als illustrationserfahrenen Designer wirklich schlüssig erschien. Ich hab mich ehrlich gefragt, warum das noch nicht viel früher implementiert wurde. Das Feature in 3D zu zeichnen, erschien mir dagegen etwas merkwürdig. Für technische Zeichnungen ist es mit Sicherheit von Nutzen, im Beispiel wurde gezeigt wie ein Gebäude mit Fenstern versehen werden kann, aber ob es dem künstlerischen Fokus von Illustrator stark bereichert… ich weiß es nicht, man wird sehen. Flash, tja, meine alte Hassliebe hat auch ein paar Updates bekommen, zum Beispiel einen sinnvollen Code-Editor. Parallel dazu kann man jetzt von Flash in den FlashBuilder-Editor umschalten und die Sachen am Ende mit Flash kompilieren. Sinnvoll? Gute Frage, arbeiten größere Teams nicht eher mit FDT/Eclipse? Photoshop dagegen hat einen großen Sprung nach vorne gemacht. Ich hab oben den Link gepostet, schaut euch einfach das Video an. Macht es wirklich, ich fühle mich grade wieder wie ein 14 jähriger, der das erste mal eine Maus in der Hand hat :)

Nachdem uns Adobe mit den neuen Features zugebombt hat, kam Ulrich Leschak, um uns wieder aus der profanen Arbeitswelt heraus zu holen. Im gestrigen Post hab ich schon was dazu geschrieben, deswegen spare ich mir das jetzt einfach mal. Same for UnitZeroOne, mir schlackern immer noch die Ohren.

Tag 2, Donnerstag, 15.04.

Den ersten Vortrag hab ich geskipt, ich war noch nie im Kölner Dom und habe diese kulturelle Lücke mal geschlossen. Daher kann ich zu Mark Doherty und Tobias Hauser nichts sagen.

Dr. Johannes Mainusch dagegen hat mich schwer beeindruckt. Das Performanceoptimierung cool sein kann, hätte ich nicht gedacht. Vom Standpunkt des Designers erscheint mir das Thema eher wie ein lästiges Anhängsel. Fehlanzeige, riesen Irrtum, ich muss unbedingt etwas dazulernen. Hat ja schließlich auch etwas mit SEO zu tun. Apropos: Er hat erwähnt, dass Google wohl vorhat, ein Performance-Kriterium in seinen Suchalgorithmus zu integrieren. Dann mal gute Nacht halbes Internet.

Der anschließende Vortrag von Jens Dülberg über die aufkommende Multitouch-Technologie war zwar etwas trocken (textlastige Slides), bereitete aber den Grund für den Vortrag von Prof. Wolfgang Henseler. Mir war es ein persönliches Anliegen den Vortrag zu hören, ich hab ja schließlich bei dem Mann studiert und kenne seine Kompetenz. Prof. Henseler hat den Fokus seines Vortrags weniger auf die Technologie als auf die Konsequenz für das interaktiv Design gelegt. Neu ist das Thema nicht, wer eine Mikrowelle besitzt, hat auch ein Touch-Interface, aber es tritt jetzt wieder stark in den Vordergrund. Das Modell der Stunde nennt sich OSID: Orientation, Selection, Information, und was war jetzt nochmal das vierte? Vergessen. Macht aber nichts, denn Modelle gibt es viele. Fakt ist aber, dass sich die Psychologie der Benutzung ändert. Es zählen nun nicht mehr Metaphern (Icons/Look) sondern eher die Wege und natürlichen Gesten, wie der Designer dem Nutzer entgegen kommt (feel). Schlechte Nachricht für die Designer: Die Rolle der Graphik wird sich ändern, die Bedeutung eventuell abnehmen. Durch den Wegfall von Klickmetaphern und die menschliche Hand als Werkzeug ist es fast nicht mehr nötig detailreiche Icons zu gestalten, der Fokus wird in Zukunft eher auf dem Standardinterface und auf den Inhalten liegen.

Nach zwei sehr informativen Vorträgen war Seb Lee-Delisle genau das Richtige. Helfer teilten Glowsticks aus, und Seb begann seinen Vortrag mit sehr coolen Interaktionen mit dem Publikum. Sehr gut, so soll es sein, das zeichnet einen guten Sprecher aus. Als erstes stellte er uns ein Votingsystem vor, dass auf die Bewegungen der Glowsticks reagiert hat. Ein Saal voller wedelnder Glowsticks. Nach der kurzen Einführung durften wir dann Pong spielen. Die Bewegung unseres Balkens wurde durch die Zweiteilung des Saals in linke Hälfte und rechte Hälfte erreicht. Linke Hälfte wedelt, der Balken bewegt sich nach links, rechte Hälfte genau andersrum. So begeistert man sein Publikum. Danach hat er gezeigt, wie man Flash Spiele mit AR auch in Großproduktionen einsetzen kann. Sein Beispiel: eine beeindruckenden BBC Produktion namens “ZingZillas” klingelt mir immernoch in den Ohren. Kinderspiele mit Sound, genau richtig für mich.

Danach gab es einen Kurzvortrag von Wacom. Ich bin ja ein Fan von Wacom und habe ein Intuos. Den Tablet-PC, auf dem ich diesen Artikel tippe, habe ich explizit ausgesucht, weil er eine Wacom-Einheit verwendet. Ich hab ja gehofft, dass Wacom jemanden schickt, der etwas meiner Begeisterung für diese Firma rüber bringt, aber leider kam Peter Kurstjens (zumindest bei mir) nicht so an, wie es nötig wäre um unbeteiligte Entwickler von der vorgestellten Plattform zu überzeugen. Die Wacom-Minis sind anscheinend AIR basierende Mini- Applikationen, welche über eine Art Dock geladen werden müssen. Das sollte Entwickler überzeugen, sich Wacom anzuschließen, und für ihre Plattform zu entwickeln. Nun ja. Ich hab ein paar Videos gesehen, ein paar Fakten über Wacom gehört und erfahren, dass es diese Plattform gibt. Im Anschluss hab ich in einem persönlichen Gespräch mit einem Wacom Mitarbeiter noch erfahren, dass sie in der nächsten Zeit ihre Community ausbauen wollen, weil niemand wirklich weiß, wozu ein Wacom eigentlich sonst noch gut sein soll, außer zum Zeichnen. (schonmal code mit einem wacom editiert? das macht Laune). Ganz merkwürdig fand ich, das Wacom ein Bamboo als Give-Away mit dabei hatte. Sie wollten das dann unter den Leuten auslosen, die ihre Visitenkarte bei den Mitarbeitern abgeben hatten. Ich musste nach dem Vortrag direkt in das andere Gebäude, und habe von der Verlosung nichts mehr mitbekommen. Ist das Bamboo jetzt überhaupt an jemanden gegangen, oder war das nur Visitenkarten sammeln?

Ein sehr müder Serge Jespers hat sich dann alle Mühe gegeben, uns einen guten Vortrag über die neuen Features von AIR2 zu geben. Ich fasse das mal so zusammen: Es waren zu viele Features um auf alle einzugehen, daher rückten die Keyfeatures für Designer, Entwickler und Audiospezialisten in den Vordergrund (getMicrophone hurray!). Unterm Strich kannte ich alle schon, ich hab ja mit der AIR2beta2 gearbeitet, und fand den Vortrag trotzdem nicht schlecht. Serge hat mit AIR2 ein kleines Tool geschrieben, dass auf den Sprachsynthesizer von OSx zugreift. Über diesen gibt er dann Breaking News Meldungen aus, sozusagen ein Sprachticker in AIR.

Last but not least Frank Reitberger: Ich hab seinen Blog prinzipiell.com schon länger im Feadreader und verfolge seine Arbeit. Ich kannte manche seiner Arbeiten schon, und es gab auch einige Überschneidungen mit dem Vortrag von Lee Brimelow. Trotzdem hat es mir gefallen, da Frank die kreative Note seiner Arbeiten betont hat, mehr das Spielerische in den Vordergrund stellte. Das gipfelte in ein paar gezielten Schüssen mit einem SuperSoaker auf einen Drucksensor an einem Arduino Board. Das spannende dabei: Frank hat einen Proxyserver geschalten, der die Signale des Drucksensors für AIR bereit gestellt hat. AIR holte sich die Signale über eine ganz normale Netzwerkverbindung ab. Das nenne ich mal sinnvoll. Mich hat es schon seit längerem gestört, dass Flash in seiner Sandbox verschimmelt. Ich hab den Saaltechniker gesehen, als Frank den SuperSoaker auspackte. Leider hatte ich grade keinen Fotoapparat zur Hand. Aber alleine deswegen hat es sich schon gelohnt, seinen Vortrag zu besuchen.

Danach gabs noch die Abschlussveranstaltung, Danksagungen, Verlosungen etc. und wir waren alle entlassen.

Persönliche Randnotizen

Auf der FFK trifft man immer wieder interessante Leute. Beatrix von Actionscripthero.org hat es anscheinend geschafft, ihr Schlafbedürfnis auf ein Minimum zu reduzieren. Sie hat auf mich dennoch recht fit gewirkt. Das Rezept dafür hätte ich mal gerne.

Kleiner Kritikpunkt: Die FFK ist doch schon sehr entwicklungslastig. Ich würde mir für die Zukunft wenigstens einen Vortrag wünschen, der einen ganz klaren Designfokus hat, um wenigstens einen kleinen Kontrapunkt zu den vielen function {‘ihr kapiert in 100 Jahren nicht, was ich hier mache’}-Entwicklern zu setzen. Klar, die Praxis und das “wie macht er das bloß” sind wichtige Punkte im Lernprozess eines jeden Flash-Entwicklers. Ich fände es dennoch schön, wenn man einen Vortrag hätte, der weniger auf das “wie” als auf das “warum” oder “was” eingeht. Ich denke auch für Entwickler könnte es interessant sein, neue kreative Ansätze zu erleben.

Soviel jetzt erstmal zur FFK10. Ich freu mich auf nächstes Jahr.

7 Responses to “FFK10 Review”

  1. Beatrix Says:

    Hab mich am Tag vor der Konferenz mit asiatischen Energy Drinks eingedeckt. Die haun rein!
    Und der Eintrag gefällt mir, warst du mal Gerichtszeichner (-:
    Danke für die Zusammenfassung der Inhalte, jetzt weis ich was ich alles verpasst habe /heul.

  2. Administrator Says:

    ha danke :) ne, gerichtszeichner war ich nicht, hab aber schon ein herz für illu. kommt nur leider immer zu kurz.

    ach was komm, soviel war das auch nicht, was du verpasst hast. ich denk die meisten inhalte kanntest du eh schon ;)

  3. Tweets die FFK10 Review « erwähnt -- Topsy.com Says:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Frank Reitberger erwähnt. Frank Reitberger sagte: as well as this nice blog review http://tinyurl.com/y73adaj especially that moment http://tinyurl.com/y6d4crx I missed to pay attention to [...]

  4. Anonymous Says:

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  5. Bastian Allenstein Says:

    Okay, nächstes Mal bin ich wieder dabei!

  6. Sascha Wolter Says:

    Danke Dir für den schönen Bericht. Und das mit der Wasserpistole in einem Raum mt Parketboden hat mich auch ein wenig nervös gemacht (wer schon mal einen Holzobden gesehen hat, auf dem undichte Blumenkübel standen, versteht mich ;)).

  7. Administrator Says:

    hehe, kann ich mir vorstellen. hab hier auch parkett und das muss aller paar jahre geschliffen werden.

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